Diese Natursteinsorten brauchen nachhaltige Pflege

Naturstein steht für Langlebigkeit, Natürlichkeit und zeitlose Ästhetik. Auch wenn es sich um robuste Materialien handelt, benötigen sie die richtige Pflege, um ihre Qualität über viele Jahre hinweg zu bewahren. Die Anforderungen variieren deutlich, je nach Gesteinsart und Einsatzbereich. Wir haben bei der Abraxas Natursteine AG nachgefragt, worauf es bei der nachhaltigen Pflege ankommt.

 

Interview mit Viktor Häberling (Abraxas Natursteine AG)

 

  • Naturstein gilt als besonders widerstandsfähig. Wo liegen die Unterschiede zwischen robusten Hartgesteinen und empfindlicheren Natursteinsorten?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Viele Menschen denken fälschlicherweise, dass „hart“ automatisch „robust“ bedeutet. Entscheidend ist aber immer: Robust wogegen? Deshalb steht am Anfang die Wahl des passenden Steins für den jeweiligen Einsatzzweck. Heutzutage werden viele Steine mit chemischen Mitteln für bestimmte Anwendungen optimiert – das kann jedoch langfristig schwerwiegende Folgen haben. Wenn ein Naturstein durch chemische Bearbeitung für den gewünschten Anwendungsbereich fitgetrimmt werden muss, ist das meiner Ansicht nach kein Naturstein mehr. In einem solchen Fall wurde schlicht der falsche Stein gewählt.

 

  • Wie unterscheidet sich die Pflege von Naturstein im Innenbereich gegenüber Anwendungen im Aussenbereich, zum Beispiel bei Fassaden, Treppen oder Terrassen?

Grundsätzlich sollte man nicht nur zwischen Innen- und Aussenbereich unterscheiden. Vielmehr sind es das Material selbst, die Bauweise, das Alter des Steins, die Art der Oberflächenbearbeitung, die Fugenausbildung und viele weitere Faktoren, die das richtige Vorgehen bestimmen. Die Pflege muss immer auf das konkrete Objekt und seine individuellen Gegebenheiten abgestimmt werden.

 

  • Wie sollte bei der Reinigung vorgegangen werden, wenn es sich nur um leichte Verschmutzungen handelt? Und was empfehlen Sie bei hartnäckigeren Flecken oder stärkeren Verunreinigungen – etwa durch Witterung, Algen oder Nutzung?

Bei leichten Verschmutzungen reicht oft klares Wasser in Kombination mit einer Bürste – etwas Geduld zahlt sich hier aus. Wer einen Hochdruckreiniger einsetzt, sollte auf Dreckfräsdüsen verzichten und nur mit sehr geringem Druck arbeiten. Auch hier gilt: Gut Ding will Weile haben. Bei hartnäckigen organischen Belägen wie Algen oder Flechten hilft häufig die feuchte Witterung, weil sie den Schmutz bereits vorab aufweicht.

 

  • Das Thema Versiegelung wird oft unterschiedlich beurteilt: Wann ist das Versiegeln von Natursteinoberflächen sinnvoll, und wann eher nicht?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn es hängt stark von der Steinart und dem Standort ab. Wichtig ist eine sorgfältige Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen. Dem Kunden muss klar sein, welcher Perfektionsgrad zu welchem Preis machbar ist. Eine falsch gewählte Versiegelung kann irreparable Schäden verursachen. Deshalb gilt: Vorab immer Risiken, Kosten und Nutzen genau prüfen.

 

  • Sie arbeiten intensiv an historischen Gebäuden und Fassaden. Welche Rolle spielt die richtige Pflege im Kontext von Sanierung und langfristigem Substanzerhalt?

Auch hier gibt es keine Standardlösung. Es existiert keine allgemeingültige Norm für die „richtige“ Pflege – gäbe es sie, wären wir Steinmetze überflüssig. Die Reinigungsindustrie bietet zwar viele gute Produkte an, doch das jeweilige Mittel muss exakt zum Stein passen. Besonders bei Versiegelungen und Imprägnierungen ist äusserste Vorsicht geboten. Bei historischen Gebäuden sollte kein glänzender „Ferrari-Lack“ das Ziel sein. Störender Schmutz gehört entfernt, aber eine natürliche Patina und edle Gebrauchsspuren dürfen – und sollen – sichtbar bleiben.
Das Thema Konservierung und Festigung ist delikat – dazu möchte ich mich an dieser Stelle aus Komplexitätsgründen nicht äussern.

 

  • Gibt es aus Ihrer Erfahrung eine ideale Jahreszeit für die Pflege von Naturstein? Und wann lohnt es sich besonders, einen Naturstein-Experten zu kontaktieren?

Ja, für bestimmte Arbeiten gibt es definitiv die richtige Jahreszeit. Reinigungsarbeiten im Aussenbereich sind bei Frost völlig fehl am Platz. Wenn es darum geht, Algen, Moose und Flechten im Freien zu entfernen, eignet sich eine feuchte Witterungsphase ideal, weil der Schmutz dann bereits aufgeweicht ist. Grundsätzlich empfiehlt es sich, frühzeitig einen Fachmann zuzuziehen. Wir leben in einer Zeit von Experten und Gutachtern – als Bauherr sollte man seinen Fachpartner sorgfältig auswählen und im Zweifelsfall eine Zweit- oder Drittmeinung einholen. Eine gute Beratung darf etwas kosten und sollte produktneutral sein. Eine fundierte Expertise ist zwar nicht günstig, spart aber bei der späteren Umsetzung ein Vielfaches wieder ein.

 

Natursteingespräche im Steinbruch: Die Serie geht weiter.
Pro Naturstein setzt mit der Talkrunde «Natursteingespräche im Steinbruch» ganz bewusst auf den fachlichen Dialog mit Architektinnen, Landschaftsplaner und Bauingenieurinnen. Wer interessiert ist und sich aktiv einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, an zukünftigen «Natursteingesprächen» teilzunehmen. Melden Sie sich hier: www.pronaturstein.ch/kontakt 

Die zweite Folge der «Natursteingespräche im Steinbruch» ist bald auf Spotify als Podcast/Video verfügbar. Wir halten euch auf dem Laufenden.