Spa- und Wellnesswelten, die Mehrwerte schaffen
Spa- und Wellnesswelten, die Mehrwerte schaffen
Mit Naturstein gestaltete Badezimmer und Wellnessräume sind mehr als funktionale Rückzugsorte – sie sind gebaute Atmosphäre. Das authentische, langlebige Material vermittelt Ruhe, Beständigkeit und Sinnlichkeit. Wie Naturstein gezielt eingesetzt wird, erläutert Emilio Stecher im Interview.
Interview mit Emilio Stecher (Emilio Stecher AG)
- Herr Stecher, wie hat sich der Einsatz von Naturstein im Spa- und Wellnessbereich in den letzten Jahren verändert und welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit?
Besonders seit der Corona-Pandemie stellen wir eine erhöhte Nachfrage nach Schweizer Materialien fest. Wenn dem Kunden kein Schweizer Stein farblich ins Konzept passt, werden eher europäische Materialien nachgefragt. So sind etwa Marmor und Kalksteine wieder en vogue. Neuartige Oberflächen wie die Bearbeitung mit velvet – auch gebürstet, geledert oder satiniert genannt – zeichnen sich durch ihr ansprechendes Aussehen aus. Diese Art der Bearbeitung ist pflegeleicht und bietet eine angenehme, seidige Haptik.
- Gibt es Natursteinsorten, die im Spa- und Wellnessbereich besonders gefragt sind?
Neben den klassischen Schweizer Materialien wie unserem eigenen Rooterberger Sandstein, dem Valser Gneis, dem Onsernone Gneis oder auch Andeer Granit ist besonders der römische und türkische Travertin wieder sehr gefragt. In den letzten Jahren sind neuartige Quarzite aus Brasilien auf dem Markt erschienen. Diese Gesteine, die zwischen 900 Millionen und 1,1 Milliarden Jahre alt sind, sehen oft wie klassische Marmore oder Kalksteine aus. Diese exotischen Quarzite, wie etwa der schön strukturierte Taj Mahal oder der transluzente Cristallo Quarz, sind äusserst kratzunempfindlich und fleckenresistent.
- Welche Bedeutung haben regionale Materialien und Handwerk bei der Gestaltung moderner Badezimmer und Wellnessanlagen?
Dies kommt ganz auf den Kunden darauf an. Die Architekten und GU’s vergeben leider oftmals die Arbeiten dem billigsten Handwerker. Das ist schade, da es dann oft zu Reklamationen kommt und Naturstein dadurch in Messkredit gerät. Besonders in den Berggebieten erfreuen sich die Schweizer Natursteine in den Wellnessanlagen grosser Beliebtheit. Die Bedeutung regionaler Natursteine und des traditionellen Handwerks hat sich von einer rein praktischen Notwendigkeit zu einem Luxusgut mit ökologischem Gewissen gewandelt. Deshalb schaffen regionale Natursteine wie Valser, Andeer, Rooterberger Sandstein oder beiger Jura einen direkten Bezug zur Umgebung, weil die Verarbeitung vor Ort erfolgt und der ökologische Fussabdruck dank kurzer Transportwege klein ist.
- Wo sehen Sie die Balance zwischen traditioneller Bauweise und zeitgemässem Design im Umgang mit Naturstein?
Dies kommt ganz auf das Objekt an. Bei einer älteren Villa passt man die Bauweise an den Baustil an und entsprechend werden mehr traditionelle Bearbeitungen nachgefragt. Bei modernen Neubauten wird der Stein am Design des Planers angepasst. Hier fungiert Naturstein als Anker und bringt Beständigkeit in eine Welt, die architektonisch immer leichter wird. Im Aussenbereich von Wellnessoasen werden traditionelle Trockenmauern-Techniken oft neu interpretiert. Ein aktuelles Beispiel ist das Thermi Spa in Schinznach Bad, wo massive Steinblöcke präzise übereinandergeschichtet wurden, um eine 28 Meter lange Wand zu bilden. Diese wirkt massiv, fungiert aber als moderner Sichtschutz und Lichtfilter.
- Welche Herausforderungen treten bei Naturstein im Nassbereich am häufigsten auf?
Generell empfiehlt es sich, die Regeln der Baukunde und die Merkblätter des NVS zu beachten. Sie zeigen, wie die Abdichtung aller Nassbereiche optimal auszuführen ist. Auch sollten die Duschtassen das richtige Gefälle aufweisen. Schwimmbäder mit Natursteinen sind eine besondere Herausforderung und erfordern grosses Fachwissen. Hier sind die richtige Steinwahl und korrekte Abdichtung gepaart mit der richtigen Schwimmbadtechnik entscheidend. Auch die Verlegung des Steins sollte nur von Profis ausgeführt werden.
- Welche gesundheitlichen Vorteile kann Naturstein im Wellnessbereich bieten?
Naturstein bietet eine Wohlfühloase nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch wegen der angenehmen Haptik. Naturstein schafft zudem eine erdverbundene und beruhigende Atmosphäre und reduziert somit Stress. Weil Naturstein keine flüchtigen Verbindungen freisetzt, sorgt dieser für eine schadstofffreie Luftqualität. Aufgrund der ausgezeichneten Wärmeleitfähigkeit eignet sich Naturstein hervorragend für Fussbodenheizungen oder beheizte Liegen, was die Muskelentspannung fördert. Gerade die Hartgesteine wie Granit oder Quarzit sind sehr robust, feuchtigkeitsbeständig und resistent gegen Schimmelbildung, was besonders in Saunen und Nassbereichen gesundheitlich von Vorteil ist.
- Was macht für Sie ein wirklich gelungenes Badezimmer aus – und welchen Beitrag leistet Naturstein dazu?
Ein gelungenes Badezimmer zeichnet sich durch eine harmonische Verbindung von Funktionalität, Ästhetik und Komfort aus. So kreiert zum Beispiel die Kombination verschiedener Texturen mit sandgestrahltem Naturstein und glattem Glas eine edle Anmutung. Naturstein trägt zu einem gesunden Raumklima bei, altert mit einer edlen Patina und sieht deshalb bei richtiger Pflege auch nach 50 Jahren noch gut aus. Denken Sie nur an die Badezimmer auch älterer Hotels, welche auch nach intensivem Gebrauch trotzdem noch gut aussehen und meist in Kalkstein oder Marmor ausgeführt sind.
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Das erste Natursteingespräch im Steinbruch: Jetzt online zum Sehen und Hören.